Alnarp, Schweden · Lund University, 2025

Alnarp Research Hub

Adaptive-Reuse-Entwurf mit Tageslicht, effizienter Lüftung und energetischer Sanierung

Adaptive Reuse einer historisch besonders wertvollen Maschinenhalle von 1938: Umbau zu einem Forschungs-, Bildungs- und Ausstellungsgebäude mit neuem Tageslicht-, Lüftungs- und Heizungskonzept. Die Bestandstechnik wurde so weit wie möglich weitergenutzt, das äußere Erscheinungsbild blieb unverändert.

Innenansicht der umgebauten Maschinenhalle mit Oberlicht, hohen Fenstern und zentralem Treppenhaus

205 → 51

kWh/m²·a — Energieausweis des Bestands zum berechneten Entwurf

G → B

Energieklasse nach BBR

18 → 88 %

sDA300/50% — Tageslichtautonomie, Bestand zum Entwurf

Ziel des Projekts

Adaptive-Reuse-Entwurf eines Bestandsgebäudes mit dem Ziel hoher Energieeffizienz, exzellenten Tageslichts und guter Innenraumqualität — bei größtmöglicher Weiternutzung von Tragwerk und Anlagentechnik.

Das Gebäude wurde 1938 als Maschinenhalle errichtet und gilt am Campus SLU Alnarp als historisch besonders wertvoll. Der Energieausweis wies 205 kWh/m²·a aus, Energieklasse G.

Die Aufgabe war, das Gebäude für die weitere Nutzung auf dem Campus umzuplanen und dabei die Zielwerte für Energie, Tageslicht, Lüftung und thermischen Komfort zu erreichen, ohne den historischen Charakter zu verlieren.

Gruppenprojekt mit Ishaan V. Mahajan und Jiaying Chen. Meine Arbeitspakete:

  • Energiesimulation
  • Tageslichtplanung und -simulation
  • Berechnung des Heizsystems
  • Architektonischer Entwurf und Zonierung

01

Architektonischer Entwurf und Zonierung

Das Programm folgt dem Licht: tageslichtabhängige Nutzungen liegen in den gut belichteten Bereichen, blendungsgefährdete Südräume nehmen Auditorium und Ausstellung auf.

Die Zonierung gliedert das Gebäude in Ausstellung, Bildung, Forschung und Erholung.

Grundrisse beider Geschosse mit farbiger Zonierung: Gemeinschaftsflächen, Ausstellung, Bildung, Büro, Erholung und Forschung

02

Tageslicht

Verglasung, ein neues Oberlicht und die Zonierung heben die Tageslichtautonomie von 18 % auf 79–88 % — von null LEED-Punkten auf drei.

Zonierung

Tageslichtabhängige Nutzungen liegen in den gut belichteten Bereichen des Grundrisses.

Verglasung

Lichttransmissionsgrad und g-Wert je nach Orientierung gewählt.

Reflexionsgrade

Oberflächen mit höherem Reflexionsgrad tragen das Licht tiefer in die Räume.

Zusätzliche Öffnungen

Oberlicht über dem zentralen Treppenhaus und Lichtröhren für innenliegende Räume.

Der Bestand erreichte sDA-Werte von 17,9 % und 18,4 % und damit keinen einzigen LEED-Punkt. Da die tragenden Wände keine größeren Fensteröffnungen zuließen, lag der Hebel bei der Verglasung: spektralselektives Glas mit LSG 1,7 nach Norden und Süden, bronzegetöntes Glas nach Osten und Westen gegen Blendung und Überhitzung. Dazu ein Oberlicht über dem zentralen Treppenhaus mit verglasten Innenwänden, Lichtröhren für innenliegende Räume, höhere Oberflächenreflexionsgrade und eine Zonierung, die tageslichtabhängige Nutzungen in die belichteten Bereiche legt.

Axonometrie des Gebäudes mit den Tageslichtmaßnahmen: Oberlicht, Lichtröhren, Innenfenster und außenliegende Verschattung
Tageslichtquotient in beiden Grundrissen, mit Mittel- und Medianwerten sowie den Positionen von Oberlichtern, Lichtröhren und Innenfenstern

03

Lüftungskonzept

Hygienische Außenluft für die neue Nutzung — mit so viel weitergenutzter Bestandstechnik wie möglich.

Die Anlage versorgt die neue Nutzung normgerecht mit hygienischer Außenluft und nutzt dabei so viel Bestandstechnik wie möglich weiter. Sie ist auf den nutzungsbedingten Außenluftbedarf ausgelegt und für bedarfsgeführten Betrieb vorbereitet.

  • Bestehende Lüftungsanlagen und Luftmengen gegen den neuen Bedarf geprüft.
  • Erforderliche Luftmengen je Zone ausgelegt und den Bestand beibehalten, wo er ausreichte.
  • Kanalnetz ausgelegt und Luftauslässe für geräuscharmen Betrieb bei niedriger Luftgeschwindigkeit gewählt.
  • System in Revit ausgelegt, kritische Stränge bestimmt und Druckverluste berechnet.
  • Spezifische Ventilatorleistung nachgewiesen.
Explosionsaxonometrie der Lüftungsanlage, Zuluft in Blau und Abluft in Rot

Spezifische Ventilatorleistung

1,02–1,14 kW/(m³/s)

Wärmerückgewinnung

≈ 80 % Rückgewinnungsgrad

Hybrides System

Bestand + neue Anlage Bestandstechnik dort, wo sie leistet

04

Thermischer Komfort

Die Überhitzung liegt ohne maschinelle Kühlung unter dem BELOK-Grenzwert.

Maßnahmen gegen sommerliche Überhitzung ohne maschinelle Kühlung:

  • Feste außenliegende Verschattung über den Fenstern
  • Spektralselektive Verglasung, U- und g-Werte nach Orientierung
  • Tiefer in die Wand gesetzte Fenster
  • Natürliche Lüftung nach Zeitplan

Überhitzungsstunden in der Nutzungszeit je Raum, vor und nach den Maßnahmen

Überhitzung

≤ 80 h in der Nutzungszeit (BELOK)

Tageslicht

3 LEED-Credits auch mit Verschattung erreicht

Kühlung

Thermischer Komfort und Luftqualität mit passiven Maßnahmen erreicht

05

Energieeffizienz

Der Energiebedarf sinkt um rund 75 % — bei unveränderter denkmalgeschützter Fassade, gedämmt wurde von innen.

End- und Primärenergie senken durch Hüllensanierung, Luftdichtheit und effiziente Anlagentechnik, bei erhaltener denkmalgeschützter Fassade:

  • Luftdichtheit und Fensterqualität verbessert (neuer U-Wert ≈ 0,8 W/m²K)
  • Tageslicht- und Lüftungsmaßnahmen integriert; Niedertemperatur-Heizsystem ausgelegt
  • Dynamische Energiesimulationen gerechnet und Primärenergie mit BBR-Faktoren bestimmt
  • Passive Überhitzungskontrolle angewendet — tiefere Laibungen, feste Verschattung, Lüftungszeitplan
Konstruktionsdetails A bis D mit alten und neuen U-Werten für Wand, Dach, Dachdecke, Geschossdecke und Bodenplatte, mit Schlüsselschnitt

Gesamtenergie

≈ 34 kWh/m²·a −75 % gegenüber dem Bestand

Heizung

20 kWh/m²·a

Primärenergie

50,85 kWh/m²·a EPpet

Energieklasse

B nach BBR, vorher Klasse G

Software

  • Rhino
  • Grasshopper
  • ClimateStudio
  • Ladybug/Honeybee
  • Revit
  • Excel

M.Sc. Energy-efficient and Environmental Building Design, Lund University